Europa 1989-2013: Aufbruch in ein neues Europa

Der Eiserne Vorhang ist vor 24 Jahren gefallen. Schon oft wurde die Zäsur, die durch den „Triumph des Unerwarteten“ (Georg Steiner) ausgelöst wurde, von Historikern gewürdigt. Die Prozesse und die ganz Europa betreffenden Folgen haben es jedoch nicht geschafft, vollends das Bewusstsein der Bevölkerung zu erreichen. Das sogenannte „neue“ Europa wäre ohne all die Ereignisse, die dem Glücksjahr 1989 vorangegangen sind, nicht vorstellbar.

Österreich im Fokus

Österreich nimmt in diesem Zusammenhang eine besondere Position ein. Schon früh wurden dauerhaft politische, diplomatische und menschliche Brücken zu anderen europäischen Ländern geschlagen. Man denke an die Jahre 1956 und 1968. Österreich lag in der Zeit des Kalten Krieges direkt an der Grenze und war somit ein Ort der Begegnung und Grenzüberschreitungen kultureller Natur. Dass in diesem Sinne auch Menschen gefördert werden konnten, hat die internationale Reputation gesteigert. Das Ende des „Eisernen Vorhangs“ kann als Grundlage für die heute so starke österreichische Position in Mittel- und Südosteuropa definiert werden. Dies war de facto eine Voraussetzung für die Mitgliedschaft Österreichs in der EU.

Das gemeinsame europäische Lebensmodell

Österreich hat auf Grund seiner Geschichte und geographischen Lage durch die Entwicklungen der letzten 24 Jahre viel gewonnen: Der mittel- und donaueuropäische Raum hat durch das Ende des Kalten Krieges, durch den Fall des Eisernen Vorhangs und durch die Mitgliedschaft in der EU eine ganz neue Bedeutung errungen. Die Lebenschancen konnten durch die neu gewonnenen Freiheiten erhöht werden. Dem gemeinsamen europäischen Lebensmodell konnte eine realistische Perspektive für die alten und neuen Nachbarn entspringen.

Fragen rund um den Wandel

Zum zwanzigsten Jubiläum dieses großen europäischen Erfolgs setzte Österreich im Jahr 2009 eine Initiative. Ziel war es, den Wandel, das seit dem Fall des „Eisernen Vorhang“ Erreichte und das Potential dieses neuen Europas gemeinsam mit jungen Menschen und all jenen, die direkt und indirekt am Umsturz beteiligt waren, zu fokussieren:

  • Welche Faktoren haben zu diesem tiefgreifenden Wandel geführt?
  • Was kann aus den Ereignissen des Jahres 1989 und davor für die Gegenwart und Zukunft gelernt werden?
  • Welchen Veränderungen war die Welt ausgesetzt?
  • Wie beurteilen die Menschen in West- und Osteuropa diesen Wandel?
  • Welche der Folgen werden als positiv aufgefasst in punkto Wiedervereinigung Europas und Öffnung der Grenzen?
  • Wie sieht es mit den negativen Entwicklungen aus – darunter die Kriege im ehemaligen Jugoslawien, die Fragen der Migration und die Bekämpfung der grenzüberschreitenden organisierten Kriminalität?
  • Wie sehr hat sich der Westen selbst verändert? Kann noch von einem „goldenen Zeitalter“ die Rede sein?

Es stellt sich zudem die Frage, wie jener Punkt erreicht werden kann, an dem sich der Satz verwirklicht sieht: „Es ist keine Herausforderung zu groß für eine Welt, die sich einig ist.“.

Der Beginn eines gemeinsamen Europas

Das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten hat 2009 dazu eingeladen, diese und viele andere Fragen im Rahmen einer breitgefächerten Veranstaltungsserie zum Thema „1989 – 2009: Aufbruch in ein neues Europa“ zu diskutieren. Es sollten neue Impulse und Ideen entwickelt werden. Der Einzelne war und ist gefragt. Denn: Wir Alle sind unsere eigene Vergangenheit und Zukunft. Die Außenpolitik muss als wesentliche Verbindung zwischen den Einzelmenschen und Völkern gestärkt werden. Eine Gesellschaft, die sich nicht erinnert, hat keine Zukunft. Die Kraft zur Erinnerung kann demnach als wesentlich aufgefasst werden. Die Initiative „Aufbruch in ein neues Europa“ sollte den heute lebenden Österreichern und Österreicherinnen, aber auch den kommenden Generationen vor Augen führen, was vor mehr als zwanzig Jahren wider aller Prognosen und Einschätzungen erreicht werden konnte. Denn dort, wo für lange Zeit eine tote Grenze zwei Welten zerschnitten hat, konnte nicht nur ein neues, sondern auch ein gemeinsames Europa beginnen.

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