Europa 1989 - 2009: Aufbruch in ein neues Europa

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2009 IST ES 20 JAHRE HER, dass der Eiserne Vorhang durchschnitten wurde. Die Zäsur, die der "Triumph des Unerwarteten" (George Steiner) brachte, wurde zwar oft von Historikern gewürdigt. Die Prozesse, die den "sanften", "samtenen" und "singenden" Revolutionen zugrunde lagen und die Folgen, die sie für das neue Europa hatten, sind aber noch viel zu wenig ins Bewusstsein breiter Bevölkerungsschichten gedrungen. Das neue Europa aber ist undenkbar ohne die Ereignisse, die dem europäischen Glücksjahr 1989 vorausgegangen sind und die ihm folgten.

Österreich ist in besonderer Weise gefordert. Österreich hat früh (schon 1956 und 1968) und dauerhaft politische, diplomatische und menschliche Brücken zum "anderen" Europa geschlagen. Es lag in der Zeit des Kalten Kriegs an der Grenze, war gleichzeitig Ort für Begegnungen und für (oft kulturelle) Grenzüberschreitungen. Es hat damit Menschen geholfen und internationale Reputation erworben.

Seither ist das Ende des "Eisernen Vorhangs" die Grundlage für die starke österreichische Position in Mittel- und Südosteuropa. Dies war de facto die Voraussetzung für die Mitgliedschaft Österreichs in der EU.

Österreich hat auf Grund seiner Geschichte und Geographie durch die Entwicklungen der letzten 20 Jahre viel gewonnen: Durch das Ende des Kalten Krieges, durch den Fall des Eisernen Vorhangs, durch die Mitgliedschaft in der EU erlebt der mittel- und donaueuropäische Raum neue Bedeutung. Durch die neu gewonnenen Freiheiten stiegen die Lebenschancen; ein gemeinsames europäisches Lebensmodell wurde zu einer realistischen Perspektive für die alten und neuen Nachbarn.

Zum zwanzigsten Jubiläum dieses großen europäischen Erfolgs setzt Österreich eine Initiative, um den damaligen Wandel, das seither Erreichte und das Potential des neuen Europas gemeinsam mit jungen Menschen, aber auch mit allen, die damals an diesem Wandel besonders in unseren mitteleuropäischen Nachbarstaaten mitgewirkt haben, manifest zu machen:

  • Was waren die Faktoren, die zu diesem tiefgreifenden Wandel geführt haben?
  • Was können wir aus den Ereignissen des Jahres 1989 und davor für die Gegenwart und Zukunft lernen?
  • Wie hat sich seither unsere Welt verändert?
  • Wie sehen diesen Wandel die Menschen in West- und Osteuropa?
  • Wie sehen sie seine positiven Folgen - Wiedervereinigung Europas, Öffnung der Grenzen?
  • Wie sehen sie manche negativen Entwicklungen - Kriege im ehemaligen Jugoslawien, Fragen der Migration und der Bekämpfung er grenzüberschreitenden organisierten Kriminalität?
  • Wie weit haben die Ereignisse den Westen selbst verändert und ist er wirklich so "golden", wie er es glaubt?

Und wie gelangen wir wirklich an den Punkt, an dem der Satz verwirklicht sein wird: "Es ist keine Herausforderung zu groß für eine Welt, die sich einig ist."?

Das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten lädt ein, diese und andere Fragen in den kommenden Monaten im Rahmen einer breitgefächerten Veranstaltungsserie zum Thema "1989 - 2009: Aufbruch in ein neues Europa" mit zu diskutieren und neue Impulse und Ideen zu entwickeln. Denn: Wir Alle sind unsere eigene Geschichte und Zukunft. Und Außenpolitik als wesentliche Verbindung zwischen den Einzelmenschen und Völkern geht jeden Einzelnen von uns etwas an.

Eine Gesellschaft hat so viel Zukunft, wie sie Kraft zur Erinnerung aufbringt. Wir laden mit dieser Initiative "Aufbruch in ein neues Europa" dazu ein, dass wir Österreicher uns und den nächsten Generationen lebendig erhalten, was vor zwanzig Jahren gegen alle Erwartungen und Einschätzungen gelungen ist: wo vorher eine tote Grenze bestand, hat ein neues gemeinsames Europa begonnen.